Karate

Philosophie
Karate ist mehr als Kampf oder Sport. Für viele Karateka ist es auch ein Weg, eine Lebensweise, um an sich selbst zu arbeiten - körperlich und geistig.
Das bekannte Wort „Karate-Dō“ bedeutet „Der Weg der leeren Hand“. Ursprünglich entwickelte sich Karate auf Okinawa und wurde von verschiedenen Kampfkünsten beeinflusst. In Zeiten, in denen Waffen für das Volk verboten waren, lernte man, sich mit dem eigenen Körper zu verteidigen - oft im Geheimen.
Doch Karate besteht nicht nur aus Techniken. Genauso wichtig sind Haltung, Kontrolle und der richtige Umgang mit sich selbst und anderen.
Um Karate wirklich zu verinnerlichen, muss der Karateka lernen, seinen Geist zu leeren. Ein "voller Geist" ist nicht mehr bereit, sich auf neue Dinge zu konzentrieren. Ein "voller Geist" kann nicht in jeder Situation verantwortungsvoll handeln.
Die Ziele eines Karateka sind die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung, Konzentration und innere Ruhe.
Im Training lernt man, auch unter Stress kontrolliert zu bleiben und Schritt für Schritt an sich zu arbeiten. Ein echter Karateka arbeitet ständig daran, sich geistig und körperlich weiterzuentwickeln. Der Weg selbst ist dabei das eigentliche Ziel der Kampfkünste.
Es gibt jedoch nicht nur eine einzige Karate-Philosophie. Jeder Stil, jedes Dojo und jeder Meister setzt andere Schwerpunkte. Manche konzentrieren sich stärker auf Wettkampf, andere mehr auf Tradition, Selbstverteidigung oder persönliche Entwicklung.
Fast jeder Karate-Club hat deshalb seine eigene Philosophie, meistens geprägt durch den Meister, der unterrichtet. Dieser hat entweder die Philosophie seines eigenen Meisters übernommen oder im Laufe seines Lebens eine eigene entwickelt. Natürlich hängt die Philosophie auch vom Karate-Stil ab, der in einem Club praktiziert wird.
Allerdings haben all diese Philosophien gemeinsame Ursprünge. Die ältesten Einflüsse reichen von Indien über China bis nach Okinawa und später nach Japan. Durch Handel, kulturellen Austausch und Generationen von Lehrern entwickelten sich daraus die heutigen Kampfkünste und ihre Denkweisen.
Im Folgenden einige Grundgedanken, die in vielen Karate-Stilen verbreitet sind:
- Gegenseitiger Respekt ohne Vorurteile und ohne Berücksichtigung von Rang oder Status. Der Meister respektiert den Schüler genauso wie der Schüler den Meister respektiert.
- Um Karate zu lernen und zu praktizieren, spielen Alter, Geschlecht, Religion, Überzeugungen oder körperliche Voraussetzungen keine Rolle.
- Karate dient dazu, sich ganzheitlich zu entwickeln und zu kontrollieren: Körper, Atmung, Geist, Emotionen, Disziplin und vieles mehr.
- Ein Karateka sollte bescheiden, ruhig und friedfertig bleiben und lässt sich nicht von Provokationen mitreißen.
- Doch friedfertig zu sein bedeutet nicht, alles hinzunehmen. Wenn jemand bewusst Schaden zufügen, ausnutzen oder angreifen will, sollte man die Stärke besitzen, sich zu wehren und klare Grenzen zu setzen.